MIT HITTFELD AUF SCHUH UND SCHUH

Ingrid und Fritz Dehrmann zeigen ein altes Familienbild von seinem Vater. „Wir haben festgestellt, die beiden tragen Schuhe aus unserem Museum“

Fritz Dehrmann ist Schuhmacher aus Leidenschaft. Mit 82 Jahren repariert er in seiner Hittfelder Werkstatt immer noch abgenutzte Sohlen und führt ein liebevoll bestücktes Schuhmuseum

Es klingt fast bescheiden, wenn Fritz Dehrmann während seiner Erzählungen mit einem unverkennbar norddeutschen Akzent den Satz fallen lässt: „Joah, so einiges haben wir schon gemacht!” Doch eigentlich merkt man schnell: Dieser Mann hat in seiner Laufbahn als Schuhmacher nicht nur „einiges gemacht”, er hat vieles erlebt.

Seit 65 Jahren ist Dehrmann Schumacher mit Leib und Seele. Als er 1948 seine Lehre begann, musste er Sohlen und Absätze noch mit Holznägeln oder Pechdraht befestigen. Zwölf Jahre später macht sich Dehrmann mit einer eigenen Werkstatt in der Bahnhofstraße 4 selbstständig. Später zog er in einen Keller im Asternweg 7. Zuletzt ging es zurück in die Bahnhofstraße. In der Hausnummer 14 betreibt er noch heute seine Traditionswerkstatt. Immer an seiner Seite: seine Ehefrau Ingrid (69). Sie führte ab 1973 im Nebenraum den Schuhverkauf voran.

Heute repariert der 80-Jährige immer noch für einen angestammten Kreis die Schuhe. Immer freitags von 15 bis 18 Uhr. „Aber nur so als Hobby”, betont Dehrmann. Nebenbei hat sich das Ehepaar einen kleinen Traum verwirklicht: ein eigenes Schuhmuseum. Hier stehen Schuhpaare von dem einen oder anderen bekannten Gesicht. Besonders stolz sind Ingrid und Fritz Dehrmann auf die Cowboystiefel der Countryband „Truckstop”. Dehrmann schwärmt: „Die gehören hier natürlich hin.” Seine Ehefrau wirft ein: „Von jedem Mitglied ein Paar! Die haben sie hier reparieren und pflegen lassen.”

Und gibt es ein spezielles Paar, auf das die Dehrmanns ganz besonders stolz sind? „Eigentlich nicht, denn an jedem Schuh hängt ja eine Geschichte dran.”

Zum Beispiel an den gelben vom Mann aus Hameln. Er spielte den Rattenfänger. Den traf das Ehepaar beim Hansetag in Lüneburg und schwatzte sie ihm kurzerhand ab. Oder die Schuhe des Bauern aus Bayern, dem sie auf der Grünen Woche in Berlin begegneten. Oder auch die afghanischen Schnabelschuhe aus dem Schuhmuseum der Hamburger Speicherstadt, das leider kurz nach der Übergabe schließen musste. Sogar die Bohlen-Ex Estefania kam zur Schuhreparatur zur Dehrmann-Werkstatt. Der Dieter kam zwar nie, aber ein originales Autogramm konnte sich Fritz Dehrmann trotzdem für seine „Wall-of-Fame” ergattern. Hier hängen außerdem: der Hamburger Leichtathlet Armin Harry, die Fischmarkt-Größe Aale Dieter und der Schlagersänger Peter Sebastian.

Das wohl exklusivste Paar Schuhe hat allerdings eine ganz besondere Dame erhalten: die Elefantendame Moni, die vor 48 Jahren in der TV-Sendung „Vergissmeinnicht” auftreten sollte – inklusive handgemachtem Schuhwerk. Auch Größe 108 war kein Problem für den talentierten Schuhmacher. Noch heute kann man einige der Geräte in Dehrmanns kleinem aber feinem Museum bewundern, mit denen er schon damals, vor vielen Jahrzehnten, gearbeitet hat.

Wer Lust auf einen Besuch hat, meldet sich telefonisch an
(04105/52798). Das Ehepaar Dehrmann nimmt sich gerne Zeit, um Interessierten eine exklusive Führung durch ihr kleines Reich zu bieten – inklusive der ein oder anderen spannenden Anekdote.

 

Sprintllegende Armin Harry hängt gleich neben Dehrmanns Lieblingsfoto mit Estefania, der Ex Frau von Dieter Bohlen

Von Maschen nach Hittfeld:
Die Cowboystiefel der Countryband „Truckstop” stehen sauber ausgerichtet, mit Namenschildern aus Holz beschriftet, auf Dehrmanns Schuhregal