Meine zweite Heimat

Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau hat sie Pädagogik studiert und als Lehrerin gearbeitet. Erst mit 39 Jahren hat sie sich dann selbständig gemacht. „Wie ich auf Kosmetik gekommen bin, kann ich gar nicht mehr sagen“, erinnert sie sich. „Ich wollte eigentlich nur etwas machen, was mich erfüllt und mit Menschen arbeiten. Etwas Gutes tun. Und endlich selbst bestimmen, wie ich arbeite.“ Zwei Jahre lang hat sie konsequent die Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert. „Ich kann jungen Leuten nur raten, eine gute Grundausbildung zu machen, denn die ist wichtig“, fährt sie fort. „Drei Monate Abendkurse sind vielleicht vom geringen Zeitaspekt her verlockend, reichen aber nicht, um sich sicher zu fühlen, wenn man dann direkt an Menschen arbeitet.“ Im Kosmetikbereich war es durchaus ein Vorteil für Ursula Brusch, dass sie schon älter war, als sie anfing. „Das ist durchaus von Vorteil, wenn man mit vorrangig reiferen Frauen zu tun hat, die alle mitten im Leben stehen. Durch mein eigenes fortgeschrittenes Alter war ich somit schon vom Start weg ebenbürtig und anerkannt. Man ist einfach bodenständiger, wenn man schon eine gewisse Lebenserfahrung hat. Und es ist schön, wenn man sich auf allen Ebenen mit den Frauen auf Augenhöhe unterhalten kann.“ Ihr Tipp: „Es ist enorm wichtig, sich immer weiterzubilden und auch mal bei Kolleginnen und Kollegen zu schauen, wie sie es machen, um seinen Horizont zu erweitern und neue Techniken zu lernen.“

Neben dem Job hält sich Ursula Brusch drei- bis viermal die Woche mit Zirkel- und Ausdauertraining fit und spielt regelmäßig Golf. „Wichtig ist für mich auch die Ernährung. Und man sollte immer überprüfen, wie viel man an Sport macht. Man braucht seine Zeit, um herauszufinden, was einem gut tut und was nicht.“ Sie selbst hat auch schon mit Tennis geliebäugelt, aber weil man da immer einen Partner für ein Match braucht, kam sie davon ab. Heute ist Golf an der frischen Luft für sie das Schönste. „Nach einem Urlaub hatte ich mich spontan für einen Platzreifekurs angemeldet“, erinnert sie sich. „Erst dachte ich, dass Golf eher etwas für alte Leute ist – aber im Urlaub sagte mir dann eine Golflehrerin, dass man beim Golf spielen unheimlich viele Kalorien verbrennt. Da habe ich gedacht, das ist genau das Richtige für mich!” Inzwischen hat Ursula Brusch ein Handicap von 30. „Damit kann ich locker überall mitspielen. Und auch alleine abends nach der Arbeit ein paar Löcher spielen ist so was von entspannend. Ich bin immer wieder begeistert davon, wie schön es doch ist – und man ist mitten in der Natur.” Ganz nebenbei hat sie hier im Golfclub Hockenberg unheimlich nette Leute kennengelernt. „Ich habe neue Freunde gefunden, die jetzt schon seit Jahren an meiner Seite sind. Einer meiner Golfpartner ist wahnsinnig belesen. Mit ihm tausche ich mich auf der Runde immer über verschiedene Themen aus. Ich brauche nur noch Nachrichten zu sehen und die Hintergrundinfos bekomme ich dann beim Golfspielen von ihm.” Sie schmunzelt und fügt hinzu: „Er spielt außerdem auch sehr gut Golf und baut mich beim Spielen immer wieder auf, wenn es mal nicht so klappt.“

Keinesfalls will sie sich unter Druck setzen lassen, wenn es um sportliche Erfolge geht. „Ich spiele Golf, weil ich Spaß daran habe und weil der Club wie eine zweite kleine Heimat für mich geworden ist. Ich spiele auch gern Turniere, aber nicht, um zu gewinnen, sondern um dann auch mal mit neuen Leuten zusammen zu spielen, das gefällt mir besonders gut. Über schlechte Schläge ärgere ich mich aber nicht, darüber kann ich nur lachen. Wenn ich den Ball nicht treffe, dann ist das eben so.“ Ein kleines Ritual ist ihr aber bei Wettbewerben trotzdem ganz wichtig: „Wenn ich mich auf der Driving Range vor einem Turnier einschlage, dann muss der letzte Schlag sitzen und mich positiv stimmen. Denn das Gefühl nehme ich dann mit zum ersten Abschlag!“